Was du noch nicht warst,
wirst einmal sein,
nichts bleibt dir erspart
im unendlichen Wandel.
Sei was du jetzt bist - ein Mensch.
Rose Ausländer
Der Mensch will grundsätzlich das in ihm wohnende Potenzial ausschöpfen, sei es beruflich oder privat. Sein Streben will seine Entfaltung. Das heisst auch, der Mensch will lernen. Dieses Wollen kann aber beeinträchtigt oder sogar zerstört werden, wenn er nicht in einer ihm zusagenden Atmosphäre Lernerfahrungen hat sammeln können.
Im Lernen/in der Bildung geht es letztlich immer um ein Leben als Austausch von innen und aussen, die Sinne sollen sich zu einem erweiterten Sinnesverständnis entwickeln, um in Wahrnehmungsvorgänge einblicken zu können, um Erlebnisse sprachlich fassen zu können, um schöpferisches Gestalten - kurz: um die Ganzheit des Lebens. Dies gilt für alle Bereiche: Beruf, Familie, Kultur etc.
Die Wissenschaft kann nicht schlüssig erklären, warum der Mensch lernt. Die Forschung zeigt viele Faktoren auf, die das Lernen begünstigen können. Aber in welcher Kombination diese Faktoren letztlich zusammengesetzt sein sollten, ist nicht zu sagen.
Der Mensch sucht sich unbewusst oder bewusst die Faktoren aus, die seinem Lernen entsprechen und ihm eine Aussicht auf Erfolg erscheinen lassen.
Damit der Mensch lernt, braucht er ein Ziel, eine Motivation, die er aus sich selber nimmt. Das kann sein, dass er sich in der Landessprache seiner Feriendestination unterhalten können will, es kann sein, dass er den Computer besser benutzen kann; es kann sein, dass es um beruflichen Fortschritt geht; oder es kann sein, dass er mit einem familiären Problem besser umgehen kann.
Lernen auf Grund von Zwang, mit grossem äusseren Druck (obligatorische Kursbesuche) wirkt in der Regel nicht lange.
Der Mensch ist sein Leben lang lernfähig. Auch im hohen Alter lernt der Mensch. Das Lernen mag da etwas langsamer sein, aber das ist Ausdruck von vielen möglichen Verknüpfungsmöglichkeiten im Hirn und Verarbeitung in eine umfangreiche Lebenserfahrung - und nicht ein Zeichen geringerer Lernfähigkeit.
Wenn der Lernende sein Lernen verstehen und erklären kann, wenn er seinen Lernstil kennt und über bewusst einsetzbare Lernstrategien verfügt, ist die Chance für langanhaltende Lerneffekte sehr gross.
Wenn die Lernenden die Möglichkeit haben, ihre eigenen Erfahrungen, bzw. ihr bereits vorhandenes Wissen (und mag es noch so gering sein), mit dem neuen Wissen zu verknüpfen, umso mehr können sie vom neuen Wissen in ihre Wissensstrukturen integrieren und diesem Sinne "behalten".
Dazu muss der Lehrende in der Lage sein, teilnehmerorientierten Unterricht gestalten zu können.
Erfolgreiches Lernen beruht auf einer Vertrauensbeziehung zwischen Lernenden und Lehrendem. Lernen wird gefördert, wenn der Lehrende im Unterricht eine ausgewogene Mischung von Leitung, inhaltlichen Vorgaben, Fachwissen, geplantem didaktischen Vorgehen, Freiräume für die Teilnehmenden, Empathie, Akzeptanz, Improvisation, Intuition und unterschiedlichster Methoden zur Geltung kommt. Unterricht braucht einen in sich stimmigen Aufbau. Unterricht in seiner Gesamtheit ist mehr als die Summe seiner Einzelteile.